Wasserversorgung - rundum sicher!

3. August 2020

Interview mit dem Leiter der Wasserversorgung

Herr Klipker, was bedeutet der Klimawandel für die Trinkwasserversorgung?
Auf der einen Seite gibt es in den warmen Jahreszeiten mehr und längere Phasen von Trockenheit. Diese zehren an den natürlichen Wasserspeichern. Andererseits dehnen sich die Vegetationsperioden aus und damit erhöht sich auch der Wasserverbrauch durch die Pflanzen. Mit anderen Worten: Wenn zum Beispiel das Wachstum der Bäume früher im Jahr beginnt, ist auch die Wahrscheinlichkeit größer, dass es zu einem früheren Zeitpunkt zu Phasen der Trockenheit kommt. 
 
Flüsse und Seen werden wärmer, Regenmassen versickern schlechter, Grundwasserspiegel sinken: Die Reserven im Wasserkreislauf – vom Grundwasser über Oberflächenwasser bis zu den Schneedecken in den Alpen – sind im unterdurchschnittlichen Bereich. Auch wenn es tagelang geregnet hat, kann das Wasser nicht – wie in einem Bassin – bevorratet werden, sondern fließt in den Untergrund und läuft ab. Das Auffüllen der Bodenwasservorräte dauert sehr lange, denn erst wenn der Boden sehr gut durchfeuchtet ist, sind die Voraussetzungen gegeben, die zur Grundwasserneubildung führen.
 
Müssen wir uns um die Trinkwasserversorgung sorgen?
Wir beobachten im Sommer, dass der Wasserverbrauch im Laufe des Tages ansteigt und abends am höchsten ist. Gerade an heißen Spitzentagen besteht die Gefahr, dass dann das Wasser knapp werden kann. Diese Lastspitzen können so stark ausgeprägt sein, dass der Wasserdruck in den Hauptleitungen stark abfällt. In der Folge können Wasserrohre durch den äußeren Druck brechen.
 
Außerdem kann es bei der Wasserentnahme durch die Feuerwehr sehr schnell zu Engpässen kommen: Durch die hohen Abgaben von Trinkwasser im Falles eines Brandes fällt der Wasserstand im Hochbehälter sehr schnell ab und es besteht die Gefahr, dass vielen Bewohnern in einem großen Gebiet kein Trinkwasser mehr zur Verfügung steht!
 
Wie beurteilen Sie die Situation in diesem Jahr?
In diesem sehr trockenen Frühjahr wurde überdurchschnittlich viel Trinkwasser verbraucht. Über Pfingsten wurde rund fast ein Drittel mehr als im Tagesdurchschnitt abgegeben. Längere Phasen mit hohen Temperaturen und wenig bzw. keinen Niederschlägen führten dazu, dass mehr Wasser verbraucht wurde. Allerdings haben sich die Grundwasser-Pegelstände bei allen Wasserwerken im letzten (relativ nassem) Winter leicht erholt! Aktuell sehen wir keine Schwierigkeiten bei der Trinkwasserversorgung. 
 
Um dafür zu sorgen, dass die Wasserversorgung sicher bleibt, müssen wir als  Versorgungsunternehmen in Herford, Hiddenhausen und Spenge darauf reagieren. 
 
Was bedeutet das konkret?
Einerseits planen wir technische Lösungen, die nicht ohne Weiteres in kurzer Zeit umgesetzt werden können. Hier es geht z.B. um den Bau eines neuen Hochbehälters, um mehr Wasser zu speichern. 
 
Andererseits wird es aber in Zukunft verstärkt darauf ankommen, dass alle das Wasserverbrauchsverhalten an die neuen Bedingungen anpassen, damit es für alle länger reicht: Wir appellieren an alle in den trockenen und heißen Phasen, Gärten und Grünflächen nicht mit Trinkwasser zu wässern. Dies trägt zur Stabilisierung der Versorgung bei. Noch ist genug Wasser da, um den üblichen Bedarf zu decken. Bei länger andauernder Trockenheit und hohen Temperaturen kann sich das schnell ändern.


Konzept zur Trinkwasserversorgung

Wir versorgen mehr als 100.000 Menschen in Herford, Hiddenhausen und Spenge mit Trinkwasser. Die gesamte zur Verfügung gestellte Menge beläuft sich auf über 5 Millionen Kubikmeter (m3) Wasser jährlich.

Auf unsere Wasserversorgung, die in Herford ihren 120. Geburtstag feierte, kommen neue und besondere Anforderungen zu. So muss die Wasserverschmutzung durch Stoffe, die von den Bodenschichten nicht mehr zurückgehalten werden können oder durch die Kläranlagen nicht dem Abwasser entnommen werden können, gestoppt werden. Die Sicherstellung der Wasserqualität steht auf mehreren Säulen.

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Hinter den Kulissen der Wasserversorgung


1 | Die Leistungsfähigkeit der Förderanlagen erhalten

2 | Langfristige Qualitätssicherung: Sanierung der Trinkwasser-Speicheranlagen

3 | Vermeidung von Wasserverschmutzungen und sinnvolle Wasserverwendung

4 | Regelmäßige Erneuerungen des Rohnetzes

5 | Ausbau der Kläranlagen um weitere Klärstufen

10. Juli 2020

Für mehr Klarheit: freiwilliger Leistungsvergleich der Wasserversorger

Zum 12. Mal haben wir uns am freiwilligen Leistungsvergleich der Wasserversorgungsunternehmen in Nordrhein-Westfalen (Benchmarking) beteiligt.

Im Rahmen unseres kontinuierlichen Verbesserungsprozesses ist die Teilnahme ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Sicherstellung der hohen Versorgungssicherheit und Versorgungsqualität in Herford, Hiddenhausen und Spenge.

Die Zusammenarbeit mit anderen Versorgungsunternehmen hilft uns bei der Verbesserung der betrieblichen Leistungserbringung in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht nach dem Prinzip des „Lernen vom Besten".

Erhoben werden Daten zur Effizienz, Versorgungssicherheit, Versorgungsqualität, Nachhaltigkeit und Kundenservice. Das Projekt wurde von Umwelt-, Wirtschafts- und Innenministerium initiiert und wird kontinuierlich im Dialog mit den Ministerien, Verbänden und Teilnehmern weiterentwickelt.

Urkunde: Teilnahme am freiwilligen Leistungsvergleich von Wasserversorgungsunternehmen in NRW› PDF-Datei (96,84 Kb)

Den vollständigen Bericht sowie die Berichte der vorherigen neun Erhebungsrunden finden Sie auf der offiziellen Projekthomepage des Landesprojektes unter www.roedl.de/benchmarking/nrw